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8. Oktober 2020

Logbuch KW41 Kommerzielles Segeln zu Coronazeiten

Kojencharter ordnet man der Tourismusbranche zu, die durch die Pandemie arg in Mitleidenschaft gezogen wurde. Kreuzfahrtschiffe, Hotels, Reiseunternehmen können ein Lied davon singen. Jede Lockerung wird genutzt, um doch noch ein wenig Umsatz zu machen und um den Schaden gering zu halten - nachvollziehbar.

Und doch ist nicht nur die Tourismusbranche allein betroffen - es sind wir alle. Wenn wir die Folgen auch noch nicht unmittelbar spüren, dann doch sicherlich zeitversetzt.

Die Welt hält den Atem an und da wir so miteinander vernetzt sind, werden wir es dann auch alle spüren. Wir sehen das immer, wenn wir an den Aussenreeden vorbeisegeln. DER Indikator für die Weltwirtschaft. Und wenn hier bis zu13 Schiff auf Reede liegen, dann wird mir ganz mulmig zumute, wenn ich an die Folgen denke.

Um die Pandemie in den Griff zu bekommen sind wir alle Verantwortlich - zumindest wollen wir das sein. Doch scheint das nicht zu funktionieren, so dass es hier klarer Regeln und Vorgaben bedarf. Innerhalb dieser sollte man sich bewegen, um die Ausbreitung unter Kontrolle zu halten. Das kann ich natürlich in Frage stellen und ablehnen, doch dann bringe ich u.U. auch andere Menschen damit in Gefahr.

Diese Angelegenheit kann ich auch mit dem Steuersystem vergleichen.

Natürlich kann ich das Steuersystem schlecht finden. Ich kann aber auch den Staat und das Land wechseln, um in einem anderen System zu leben. Dazu sind dann vielen Menschen nicht bereit, weil sie dann wiederum andere Gewohnheiten und Vorteile nicht aufgeben wollen. Ähnlich ist das mit Corona. Wenn mir die Bedingungen und Regelungen nicht passen, kann ich doch das Land wechseln…
Doch schauen wir doch mal, ob da wirklich alles besser läuft. Angefangen von dem Gesundheitssystem, den Infektionszahlen und der Wirtschaftsleistung…

Und wenn es dann um die Verantwortlichkeit für die eigene Gesundheit, die der Familie und die Anderer geht, dann scheint mir gerade in der Segelbranche das Hirn auf dem Steg liegen zu bleiben.

Wie hirnamputiert laden dann die Mitbewerber die Schiffe voll, wie zu Zeiten „vor Corona“.

Gesetzeslücken und mangelnde Aufsicht werden dann genutzt um Umsatz zu machen. Schiffe voll belegt, Menschen aus Risikogebieten auf Inseln geschleppt, deren Einwohnen zum Einen auch vom Tourismus leben, aber auch in der Angst vor einem Ausbruch, da weder ein funktionierendes Gesundheitssystem, noch die ausreichende Evakuierung gewährleistet werden kann.

Ist es die Angst davor, dass wieder zu einem Logdown kommt? So das man vorab noch schnell Umsatz macht? Ist die Ignoranz? Mit Verantwortlichkeit hat das m.E. wenig zu tun. „Schaut mal her, wir haben das Schiff voll, feiern und sind mit vielen Leuten zusammen - und nichts ist passiert“. Gut, doch was ist, wenn dann doch? Dann wird schnell ein Schuldiger gesucht - und sicher auch gefunden, nämlich der Veranstalter, der Verantwortliche. Und mir scheint, als sei dieser sich der Sache nicht bewusst.

Wir bleiben dabei, 2 Gäste aus unterschiedlichen Haushalten, jeweils in einer eignen Kabine, oder 3 Gäste, wobei 2 aus einem Haushalt stammen. Und auch die Preise bleiben - € 158,—/Pers/Tag zzgl. Bordkasse. Klar ist das knapp kalkuliert, doch dass müssen wir demnächst alle.

Wir fühlen uns verantwortlich für die Gesundheit unserer Gäste und die der Menschen in unseren Reisegebieten. Was hat eine Insel wie Helgoland davon, wenn ich den Beweis antreten will, dass die Pandemie nur halb so schlimm ist? Wenn ich die Insel besuchen will, dann halte ich mich an ihre Regeln. So, wie man als Seemann mit dem Hissen der Gastlandsflagge anzeigt, dass man sich den Regeln und Gesetzen des Gastlandes unterwirft. Demut und Verantwortlichkeit sind hier das oberste Gebot, statt Rechthaberei und Kommerz. Das weiss jeder Seemann - wieso wird das von den Mitbewerbern aus der Segelreisebranche so ignoriert?

Wir haben gerade in den letzten Wochen immer wieder Mitbewerber erlebt (und zum Glück gibt es auch Kollegen, die sich genau an die Vorgaben halten), die Ihre Schiffe voll knallen. Im Salon werden die Bänke belegt, zwei Haushalte in eine Kabine gesteckt, wie früher in Jugendherbergen. Und dann gibt es noch „lustige“ Beweisfotos im Social-Media, wo angezeigt wird, dann man in großer Runde feiern kann und nichts passiert ist. Ich kann manchmal garnicht soviel essen, wie ich kotzen möchte.

Jetzt steigen die Infektionszahlen und schon werden Ausreden und Begründungen gesucht.

Und klar wird auch die Angst vor einem weiteren Lockdown wieder groß. Das die Ursache bei den Veranstaltern dann selbst zu suchen ist, wird nicht in Betracht gezogen. Auch wenn bei Ihnen nichts passiert ist, sind sie doch auch „Vorbild“ für andere. Warum nicht Vorbild für Genügsamkeit und Vernunft sein?

Und wie immer wird das Wirtschaftssystem durch den Verbraucher gesteuert. Daher hier mein Hinweis an die Reiseinteressenten: schauen Sie sich den Veranstalter an und fragen sie sich, was ihnen die Reise und die Einhaltung von Mindestregelungen zur Eindämmung der Pandemie wert ist - unabhängig davon, was die Politiker und Virologen raten. Es geht nicht darum den Veranstalter vor einem wirtschaftlichen Schaden zu bewahren, sondern um Ihre Sicherheit und die anderer. Und dann buchen Sie das, was Sie für angemessen halten. Bei AHOI-SAILING bleiben wir auf jeden Fall bei der Belegung von 2-3 Personen mit je einer Einzelkabine (2 Personen), oder einem Haushalt in einer Kabine und einer weiteren Einzelperson. Das verstehen wir unter Verantwortung gegenüber unseren Gästen und den Menschen in unseren Reisezielen.